Chronik

 

Chronik des Akkordeon-Orchesters Bickenbach

Wie alles begann

An einem strahlenden Augusttag des Jahres 1938 fuhr ein Lieferwagen vom Musikhaus Crusius zum Bickenbacher Gasthaus “Rose” (Pieler). Beladen war er mit 38 Handharmonikas. Die Spieler der ersten Stunde zahlten jeweils 96 Reichsmark und der Übungsbetrieb konnte mit “Hüttenmaderl”, “Sennengruß” und “Junges Blut” beginnen. Voraus gingen einige Treffen im “Schwanen” auf dem Sandbuckel. Die Harmonikabegeisterten, die schon spielen konnten, steckten die anderen an.

Heinrich Seibert, der auch die kleinen, handlichen Instrumente besorgte, wurde Vorsitzender. Es wurde locker musiziert, aber man wollte auch den inzwischen 42 Spielern eine gezielte Ausbildung ermöglichen. Dazu verpflichtete man Fräulein Hayn aus Darmstadt als erste Fachlehrerin.

Geprobt wurde im alten Kindergarten in der Bahnhofstraße. Schon kurz nach der Gründung konnte der Spielring bei verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen mitwirken, doch in den folgenden Kriegsjahren wurden die meisten Spieler eingezogen und viele kamen nicht mehr zurück.

Erst im Jahre 1946 lebte der Spielring durch die Initiative Karl Jährlings im Kreise der Naturfreunde wieder auf. Willi Best aus Griesheim übernahm die musikalische Leitung und schon bald wurden im “Gasthaus zum Hirsch” die ersten Handharmonika-Konzerte durchgeführt. Man spielte zumeist einfache Ländler, Märsche und Polkas, oder leichte Bearbeitungen alter Meister.

Im harten Winter 1948/49  gastierte man in einem alten Griesheimer Kinosaal. Eintritt: 1 Scheit Holz und 1 Brikett, was sogleich verfeuert wurde. Die neuen jugendlichen Spieler hatten ihren ersten Auftritt. Gegen das Lampenfieber hatte man eine Flasche selbstgebrannten Rübenschnaps mitgebracht. Beim “Pfeif-Rheinländer” standen sie auf, spitzten die Münder, doch vor lauter Aufregung blieb ihnen die Spucke weg. Willi Bests Instrument machte sich selbständig und sauste nach unten.

Die Ära "Willi Geisel"

Im August 1949 folgte dann als Musiklehrer Willi Geisel aus Pfungstadt. Nach beendetem Trossinger Musikstudium übernahm er hier sein erstes Orchester. Jahre des mühsamen Aufbaus und geduldiger Kleinarbeit folgten.

Die Herstellung neuer Akkordeons mit erweitertem Tonumfang und technischen Raffinessen eröffnete den Weg zu anspruchsvoller Originalliteratur.

Das Orchester gab bis zu zehn Konzerte und Gastspiele im Jahr und traf mit seiner Mischung aus Volksmusik und unterhaltsamer Musik den Geschmack großer Zuhörerkreise. Ging es um musikalische Umrahmung heimischer Vereine (Ehrungen, Jubiläen, Feierstunden), gemeinsame Konzerte mit Chören der Nachbargemeinden Seeheim, Jugenheim, Alsbach, Hähnlein, Konzerten in Seniorenheimen, Krankenhäusern oder für die “Aktion Sorgenkind” - der Handharmonika-Spielring war immer gefragt und Willi Geisel machte mit seiner Truppe viel Freude.

Besonders fruchtbar war die Zusammenarbeit mit den beiden Kreischorleitern Krapp und Herbert. Das Orchester musizierte mit ihren Chören in vielen Konzerten vom Odenwald bis über den Main. An zwei Schallplattenaufnahmen (“Akkordeonorchester” und “Klingende Bergstraße”) beteiligte sich das Bickenbacher Orchester. 1962 wurde mit Akkordeonklängen das Bürgerhaus eingeweiht. Seitdem finden Probenbetrieb und die jährlichen Konzerte hier statt.

Preise und gute Platzierungen bei Harmonikafestivals und Wertungsspielen folgten. 1964 wurde das Orchester bei den Hessischen Meisterschaften in Wiesbaden erster Preisträger in der Oberstufe. 1965 wurde es erster, 1976 zweiter Preisträger beim Musikpreis der Stadt Bensheim. 1968 und 1975 erhielt es gute Platzierungen beim Harmonika-Weltfestival in Luzern.

Nach vielen glanzvollen Konzerten starb nach über dreißigjährigem musikalischen Wirken Willi Geisel am 27. April 1981. Generationen von Schülern, Spielern und Zuhörern war seine musikalische Arbeit gewidmet. Sein Optimismus war ungebrochen und steckte alle an, die mit ihm zu tun hatten. Unvergessen ist seine Aufbauarbeit für das Orchester. Durch ihn wurde das Akkordeon-Orchester zu einer klingenden Botschaft Bickenbachs, weit über die Grenzgemarkungen hinaus.

Neue Taten unter Martin Reichel

Mit der Verpflichtung Martin Reichels, einem versierten Akkordeonspieler und Dirigenten aus Bensheim, tat das Orchester einen guten Griff und fand einen ehrgeizigen Orchestererzieher für eine neue Zukunft.

Martin Reichel,  ein brillanter Akkordeonsolist und Preisträger vieler Wettbewerbe, zielt auf ein niveauvolles ausgewogenes Programm, das er mit Elan detailliert zu erarbeiten weiß. Durch seine Erfahrung als langjähriger Konzertmeister des Bensheimer Akkordeon-Orchesters, sowie als Dirigent des Ober-Ramstädter Akkordeon-Orchesters, versteht er es, die Spieler zu motivieren und zu großen Leistungen anzuspornen. Trotzdem geht es nie tierisch ernst zu, und das Verhältnis zwischen den Generationen ist ausgezeichnet.

Unterricht durch Sabine Lauterbach

Nach Abschluss ihres Akkordeonlehrerexamens übernahm Sabine Lauterbach den Unterricht der jungen Akkordeonisten und leitet heute das sehr erfolgreiche Akkordeon-Ensemble. Dieses Ensemble erreichte sowohl im Jahre 1991 bei internationalen Wertungsspielen in Bremerhaven als auch 1992 bei den internationalen Wertungsspielen in Innsbruck in der Oberstufe den 1. Platz mit der Note “hervorragend”.

Wechsel im Vorstand des Orchesters

Vorsitzender und “Motor” des Vereins war bis 1990 Heinz Heim, danach engagierten sich Elke Schneider und Bruno Donko im Vorstand.

1993 übernahm Michael Moser den Vorsitz. Durch seinen Enthusiasmus und sein reges Engagement führte das Orchester zahlreiche auswärtige und dabei auch internationale Konzerte durch, die mit freundschaftlichen Gegenbesuchen erwidert werden.

Im Jahr 2001 verließ Michael Moser das Akkordeon-Orchester und legte damit auch sein Amt als Vorsitzender nieder. Seitdem werden die organisatorischen Dinge durch Michael Dathan erledigt. Die Finanzen lagen anfangs in den Händen von Martina Buchmann, seit 2005 wird die Kasse von Elke Schneider geführt.

 

Übergabe der musikalischen Gesamtleitung an Sabine Lauterbach

Nachdem Martin Reichel 19 Jahre das Akkordeon-Orchester Bickenbach leitete und zu zahlreichen Erfolgen geführt hat, fand er es an der Zeit, diese Arbeit in jüngere Hände zu übergeben. Mit dem Konzert vom 26. August 2001 verabschiedete er sich als Dirigent des Orchesters und trat gleichzeitig als Spieler in das Orchester ein.

Sabine Lauterbach, bereits lange Jahre für die Leitung des Akkordeon-Ensembles verantwortlich, übernahm damit zusätzlich die Leitung des Orchesters. Das Orchester wurde seit dieser Zeit als Ensemble, d.h. ohne Dirigent, weitergeführt.

Probenräume

Im Jahr 2001 gab es einen weiteren entscheidenden Termin in der Vereinsgeschichte des Akkordeon-Orchesters: Der Bezug neuer Probenräume. Aufgrund der Umorganisation innerhalb der Gemeinde wurden die Räumlichkeiten neu auf die einzelnen Vereine und Gruppierungen verteilt. Aufgrund der Anzahl aktiver Musiker sollte das Musikcorps von nun an im Bürgerhaus proben. Durch die tatkräftige Unterstützung des Bickenbacher Bürgermeisters Herrn Martini wurden sich das Akkordeon-Orchester, die SKG (der wir als Abteilung angehören) und der CVJM einig: Der große Saal des Jugendzentrums in der Karl-Marx-Straße wurde Anfang März zum neuen Probenraum. Die erste Probe in dieser neuen Unterkunft hielt das Orchester am 06. März 2001 ab.

Seitens der Gemeinde Bickenbach wurde Anfang 2005 dem Akkordeon-Orchester das Angebot gemacht, die wöchentlichen Proben im Bürgersaal des Rathauses abzuhalten. Dieses Angebot erhielt im Orchesterkreis große Zustimmung, zumal auch die jährlichen Konzerte immer an diesem Ort stattfinden. Von Oktober 2005 an fanden nun die Proben des Akkordeon-Orchesters im Bürgersaal statt. 

Eine erneuter Wechsel der Räumlichkeiten stand im Jahr 2011 an. Einige kulturelle Vereine erhielten von der Gemeinde Bickenbach ein neues Domizil. Das Gebäude in der Darmstädter Str. 14 wurde saniert und umgebaut, so dass neben hier neben dem Akkordeon-Orchester auch Partnerschaftsverein, Raum für Frauen sowie der Schachklub Räumlichkeiten beziehen konnten. Seit Mai 2011 finden nun die Proben im "Haus der Vereine" statt.

Das Akkordeon-Orchester als Abteilung in der SKG Bickenbach

Seit dem Jahre 1948 ist das Akkordeon-Orchester eine Abteilung innerhalb der SKG. Die SKG wurde im Jahre 1945 gegründet und ist eine Dachorganisation verschiedener Vereine bzw. Abteilungen.

Die Kultur innerhalb der SKG wird alleine durch das Akkordeon-Orchester repräsentiert - alle weiteren Vereine sind sportlicher Natur (Faustball, Fußball, Gymnastik, Kinderturnen, Leichtathletik, Mutter- & Kind-Turnen, Tischtennis und Wandern).

Die Arbeit des Akkordeon-Orchesters

Wie sieht nun die Arbeit aus, bevor man mit Lampenfieber auf der Bühne sitzt und der Dirigent mit leicht zitternder Hand den Taktstock zur Ouvertüre hebt? Wer selbst Musik macht, weiß, dass hinter dem Ereignis, welches so locker und leicht klingt, viel harte Arbeit steckt. Wie sieht diese Arbeit aus?

Jeder Mitspieler von uns hat jahrelang einen intensiven Musikunterricht genossen. Einige Mitspieler haben sogar das Musikfach studiert. Wir proben wöchentlich, doch eine gute Orchestermusik ist nur mit vielen Übungseinheiten zu Hause in der stillen "Kemenate" möglich.

Regelmäßig werden Übungswochenenden durchgeführt. In entspannter und gelöster Atmosphäre verpasst uns unser Dirigent sozusagen den “letzten Schliff”. Hier findet sich auch immer eine Gelegenheit, bei einem ausgiebigen Spaziergang die Umgebung zu erkunden und in frischer Luft Energie für die folgende Probeneinheit zu tanken.

Neben all dieser Orchesterarbeit darf natürlich die Arbeit bei Konzertvorbereitungen um Programmlayout, -entwurf und -druck, Kartenvorverkauf, Pressemitteilungen, Bühnenschmuck und die Organisation der Pausenverköstigung nicht vergessen werden. Auch das Instrumentarium muss perfekt funktionieren.

Ohne die Unterstützung durch die SKG, der wir als Abteilung angehören, wäre all dieses nicht möglich. Ebenfalls sind wir immer auf die Hilfe unserer Familienangehörigen angewiesen, die uns bei den diversen Arbeiten tatkräftig unterstützen.

Wir freuen uns auf die Zukunft, die mit Hilfe der Musik oft den tristen Alltag vergessen lässt.